Tagungsband zum 19. DIALOG Abfallwirtschaft MV am 18. Juni 2020

Die aktuelle Corona-Pandemie ist ein gutes Beispiel für eine globale Herausforderung mit deren Bewältigung sich die internationale Staatengemeinschaft sehr schwer tut. Es gab und gibt reichlich Realitätsverweigerung bei politischen Führungskräften wie z.B. Bolsonaro oder Trump, viel nicht abgestimmte Maßnahmen und Aktionismus der Länder, die ja inzwischen alle davon betroffen sind. Ein Austausch der Erkenntnisse und Erfahrungen, die China, Südkorea und Taiwan in den ersten Wochen/Monaten der Pandemie gesammelt haben, findet nur eingeschränkt statt. Auch dies ist ein Grund dafür, dass wir in Europa seit Mitte März 2020 ein Hotspot der Corona-Pandemie sind und von der ersten Corona-Welle stark getroffen wurden. Darüber hinaus trägt hierzu natürlich auch das übliche, uneinheitliche Vorgehen innerhalb der EU aber auch innerhalb von Deutschland bei. Trotzdem bin ich zuversichtlich, dass wir die damit verbundenen großen medizinischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Folgen, zumindest in Deutschland, gut überstehen werden. Ich hoffe auch, dass wir dann national und international die richtigen Lehren daraus ziehen werden, um die anderen vielfältigen globalen Herausforderungen besser zu bewältigen.

Beispiele für zentrale Zukunftsaufgaben sind die Energiewende und der langfristige Aufbau einer biobasierten Wirtschaft, wobei die Bioenergie eine Schlüsselrolle spielen wird. Leider ist hier auf nationaler Ebene festzustellen, dass u.a. die Umstellung des Energiesystems auf erneuerbare Energien, die Steigerung der Energieeffizienz, sowie die Optimierung des Wärme- und Transportsektors nur schleppend vorankommen. Eine weitere zentrale globale Herausforderung ist die Sicherstellung einer ökonomisch, ökologisch und sozial tragfähigen Versorgung der Volkswirtschaften mit Rohstoffen. Hier geht es insbesondere darum eine Kreislaufwirtschaft aufzubauen, die den Namen auch verdient und eine Versorgung weitgehend mit abfallbasierten Sekundärrohstoffen gewährleistet. Bei der Entwicklung der erneuerbaren Energien inkl. Bioenergie sowie Bioökonomie und Abfallwirtschaft schneiden wir zwar im internationalen Vergleich ganz gut ab, trotzdem ist aber selbstkritisch anzumerken, dass wir in Deutschland nicht nur bei der „Energiewende“ sondern auch bei der „Rohstoffwende“ erst am Anfang eines langen Weges stehen. Von einer nachhaltigen Energieversorgung und einer wirklichen Kreislaufwirtschaft sind wir auch in Deutschland noch sehr weit entfernt!

Ein wichtiger Baustein unserer erfolgreichen Arbeit ist vor diesem Hintergrund die Veranstaltung von Fachtagungen zu aktuellen praxisrelevanten Themen mit unseren Kooperationspartnern aus der Praxis, Wissenschaft, aus den Ministerien und der Verwaltung. Zentrale Veranstaltungen für uns sind das „Rostocker Bioenergieforum“ und der „DIALOG Abfallwirtschaft MV“, die in diesem Jahr wieder als Doppeltagung vom 16. bis 18. Juni geplant war.

Vor dem Hintergrund der aktuellen Vorgaben von Bund, Land und Universität Rostock zur Eindämmung der Corona-Pandemie ist in diesem Jahr keine Präsenzveranstaltung an der Agrar- und Umweltwissenschaftlichen Fakultät möglich. Deshalb haben wir uns nun nach Abstimmung mit unseren Kooperationspartnern für die Absage der beiden Fachveranstaltungen entschieden. Da für uns als Veranstalter der persönliche Erfahrungsaustausch aber im Vordergrund steht, wollten wir die Veranstaltung auch nicht als Onlineversion durchführen.

Dies ist besonders schade, weil wir wieder sehr interessantes Programm auf Basis der vielen interessanten Beitragsvorschläge aus der Wissenschaft und Praxis erstellt haben. Inzwischen haben wir wie angekündigt aus den eingereichten schriftlichen Beiträgen das vorliegende Fachbuch zu beiden Tagungen erstellt und hoffen, dass die Informationen für Ihre tägliche Arbeit hilfreich sind.

Unsere nächsten Fachtagungen sind im Sommer 2021 geplant und wir würden uns dann sehr über Ihre Teilnahme freuen!


Bleiben Sie gesund und beste Wünsche im Namen der Veranstalter!

Prof. Dr. mont. Michael Nelles
Professur für Abfall- und Stoffstromwirtschaft
Universität Rostock
Wissenschaftlicher Geschäftsführer
DBFZ Deutsches Biomasseforschungszentrum gemeinnützige GmbH